Soziale Netzwerke dringen immer weiter in unseren Alltag vor. Besser formuliert: Unser Alltag verschiebt sich mehr und mehr in Richtung Kommunikation über das Internet. Dass das sehr viele praktische wie auch gesellschaftliche Vorteile mit sich bringt haben wir in den vergangenen Jahren und Monaten immer wieder deutlich zu sehen bekommen.
Ich habe aber mittlerweile das Gefühl, dass wir uns zu schnell in eine Richtung bewegen, als das wir noch viel Zeit dafür aufwenden können über diese Entwicklungen nachzudenken. Zu toll und atemberaubend sind die neuen Funktionen, zu praktisch die schnelle Kommunikation. Wir werden geradezu überrollt.
… meint Seth Godin (Author). Damit spricht er den technischen Wandel an, der jeden von uns in die Lage versetzt selbst Kunst zu schaffen und im Netz ein Publikum zu finden.
Wie ihr sicher schon gehört habt, existiert seit einiger Zeit der so genannte “Bundestrojaner”. Eine Schadsoftware, mit der euer Rechner von Staatsseite infiziert werden kann, damit im Verdachtsfall euer Bildschirm fotografiert, Skype mitgehört oder eure Nachrichten auf Facebook mitgelesen werden können. Natürlich ist weit mehr möglich - ich wollte nur einmal ein paar Beispiele herausgreifen.
Philip Banse hat im Deutschlandfunk mal wieder eine tolle Sendung zu Facebook gemacht. Es geht darum, wie Facebook funktioniert, was man beachten sollte und wo Fallstricke lauern.
Constanze Kurz, Sachverständige und Mitglied der Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages hat in der FAZ einen tollen Artikel verfasst, der uns zu denken geben sollte. Sie beschreibt die Situation in der Kommission und wie die Koalition mit allen Mitteln versucht richtige Entscheidungen abzuwenden, weil es nicht in ihre politischen Ansichten passt.
Die Enquete Kommission im Bundestag soll ja in nächster Zeit zu einem Abschluss kommen und daher laufen auch schon munter diverse Abstimmungen über die Formulierungen im Abschlusstext. Um mehr geht es ja schließlich nicht. Konkrete Entscheidungsgewalt hat die Kommission nicht. Man könnte sagen es bleibt nur der Abschlussbericht als Empfehlung für den Bundestag. Ob der sich daran hält? Aber woran halten die sich schon…
Facebook hat Gesichtserkennung eingeführt. Die Technik ist nicht neu. Es war also zu erwarten, dass das irgendwann jemand machen würde. Picasa kann das schon lange und Google hätte das auch in seine anderen Dienste bereits einbauen können. Allerdings haben die sich dagegen entschlossen - aus Datenschutzgründen! Google! Nun war es eben Facebook, das diesen ersten Schritt gemacht hat. Das passt zu Mark Zuckerbergs Ansichten: Privatsphäre ist überholt.
Macht Facebook hier also nur den ersten Schritt in eine Zukunft, die wir uns nur vage vorstellen können? Wird es bald völlig normal sein, jeden Menschen auf der Straße mit dem Smartphone in wenigen Sekunden per Namen ansprechen zu können und ihm sein Lieblingseis zu überreichen? Ist das nicht super cool? Oder doch beängstigend? Sollten wir uns darüber aufregen oder müssen wir es einfach hinnehmen, weil es bald völlig normal ist? Hätte das die Stasi nicht auch können? Aber die haben kein Eis verschenkt…
Vint Cerf, einer der Urväter des Internets das wir heute erleben (und genießen) war zu Gast in Berlin in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung und sprach dort über die Zukunft des Netzes. Er bringt dabei viele Probleme, die zur Zeit im Zusammenhang mit dem Internet auftreten erstaunlich gut auf den Punkt und schafft es, Erklärungen und Lösungen zu beschreiben, die glaubwürdig und nachvollziehbar sind.
Es ist sehr aufschlussreich die Meinung eines Menschen zu diesen Themen zu hören, der die komplette Entwicklung des Netzes in vollen Zügen miterlebt hat und so einen wunderbaren Überblick über all die Effekte und Gesetze des Systems hat.
Wieder einmal trifft Quarks und Co mit der Themenwahl den Zahn der Zeit: Wie surft man verantwortungsvoll? Wie sollte man mit seinen persönlichen Daten umgehen? Was können die Folgen sein, wenn man zu viel davon preisgibt? Wie funktionieren eigentlich Trojaner? Was tun wir wenn plötzlich alle Fotos von uns problemlos im Internet auffindbar sind?
Fragen über Fragen. In meinen Augen aber entscheidende Fragen. Die neue Quarks und Co Sendung versucht Antworten zu finden. Wer jetzt neugierig geworden ist, der kann sich die Sendung nochmal als Podcast (mp4) herunterladen.
Cory Doctorow über Facebook mit einer sehr passenden Einschätzung wie ich finde. Der wichtigste Punkt: Wir brauchen eine Erziehung, die den Umgang mit den neuen Medien lehrt. Damit ist keineswegs ein Grundkurs in Microsoft Word gemeint. Es ist wichtig zu hinterfragen und kritisch zu beurteilen was neue Möglichkeiten im Netz mit uns machen und auf welchem Geschäftsmodell sie basieren. Nur so ist es jedem möglich für sich die richtige Entscheidung darüber zu treffen, wie viel er von sich preisgeben will.