Funkenstrahlen Podcasting, Netzpolitik, App-Entwicklung

Podcasts auf Youtube

Soll ich meinen Podcast auch auf Youtube veröffentlichen? Das ist eine Frage, die mich in den letzten Tagen ein wenig umgetrieben hat. Ich habe als Podcaster ein gemischtes Verhältnis zu Youtube. Vor einem Jahr schrieb ich noch:

Ich halte Youtube für relativ sinnlos. Ich denke kaum, dass man darüber viele Hörer erreicht. Podcasts sind ja gerade so gemacht (Länge, Ansprache), dass man sie anhört, während man etwas anderes tut. So lange Youtube keine Funktion hat ein Video bei abgeschaltenem Smartphone Display anzuhören funktioniert das nicht.

Diese Argumente sind auch heute noch richtig. Für intensives Podcasthören unterwegs ist Youtube nicht der richtige Weg.

Youtube hat aber Vorteile: Mit großen Augen blicke ich auf die großen Klickzahlen, Videos sind einfach über die gute Suche zu entdecken, Kommentare sind direkt eingebaut. Im Grund das Selbe wie der Podcast Player auf meiner eigenen Podcast Seite. Wenn es Menschen gibt, die sich den Podast über meinen eigenen Player auf der Webseite anhören, dann finden sich auch Menschen, die sich den Podcast als Youtube Video im Browser (oder am Smartphone) anhören.

Im Sendegate Forum gab es zu diesem Thema bereits eine Diskussion. Es gibt schon erstaunlich viele Podcasts, die ihre Produktionen auch auf Youtube veröffentlichen.

Wie nutzt ihr Youtube?

Einige haben nicht die Erfahrung gemacht über Youtube besonders viele Menschen zu erreichen.

Sebi:

Ich nutze es für ein paar Podcasts und habe da auch die Monetarisierung an. Hat aber sowieso fast jeder einen AdBlocker heute von demher kommt da jetzt nicht so viel rein.

katrinleinweber:

Ja7, aber da kommen kaum signifikante Hörerzahlen bei rum.

Nicolas:

Wir stellen unsere Folgen auch auf YouTube5. Zum einen weil es dank Auphonic so einfach ist, zum anderen weil wir um jede arme Seele kämpfen die wir aus den Fängen der unsäglichen Youtube-Schmink-und-Mode-Blogs in den warmen Schoss der Wissenschaft lenken können. Tatsächlich kommt dabei aber auch bei uns nicht wirklich viel bei rum.

Herrvonspeck:

Ich habe YouTube mit Das tägliche Wort2 und der Speckschau getestet und da sich die Abrufzahlen im unteren einstelligen Bereich bewegten dann auch schnell wieder sein gelassen. Ich denke, wenn man YouTube bedienen will, reicht es nicht, da einfach von Auphonic hochladen und veröffentlichen zu lassen. Wenn man davon einen Mehrwert haben möchte, müssen die Beschreibungen ordentlich sein und man muss mit der Community interagieren, wie bei jedem anderen Social Network auch. Ganz oder gar nicht, eben wink Das war mir ehrlich gesagt zu anstrengend.

Es gibt aber auch gegenteilige Erfahrungen.

elektrobier:

Ich nutze die Funktion. Für mich ist Youtube neben einer eigenen Plattform mit den dazugehörigen Usern (die ich evtl. auf anderen Kanälen nicht ansprechen kann) auch als kostenfreie Redundanz interessant: Sollte irgendwas bei meinem Hoster passieren, sind sie dort immer noch abrufbar. Da Auphonic die Beschreibung an Youtube ausliefert, mache ich bei meinen Produktionen nichts außer einer Formatierung der Videobeschreibung. Die Monetarisierung nutze ich nicht.

ronbuehler:

Wie ich auf dem ppw14b gelernt habe smile ist YouTube, neben Google und iTunes, die Suchmaschine, daher hab ich jetzt auch angefangen dort die Podcasts mit veröffentlichen zu lassen. Dank Auphonic ist da ja auch kein extra Aufwand nötig.

rwpod:

Bei uns ist es so, dass wir YouTube gern nutzen, um die Sendungen überhaupt an den Menschen zu bringen. Viele unserer Hörer sind vermutlich mit dem RSS-/Abo-System überfordert, bzw. hören am Rechner im Büro oder auf dem Handy. Das sind meines Wissens alles Plattformen, die nicht einheitlich im Zusammenspiel mit Podcasts funktionieren. Und so ist YouTube ein weiterer Kanal, der ja heute fast auf allen Rechner funktioniert. Genutzt wird es wenig, ich schätze etwa 5% der Hörer plus die gleiche absolute Anzahl an Klicks durch Leute, die das Video wegen der Tag finden. Die setzen wir separat. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass es vielleicht nicht reicht, die Datei nur zu YouTube zu schieben. Insofern: ich justiere, also tagge etc. immer nach. Die generelle Kategorie will man natürlich auch einstellen. Wenn man sich mit den Schlagwörtern eben genau in die Richtung des Themas und der Zielgruppe stellt, wird man wirklich gefunden. So kam dabei heraus, dass eine Folge plötzlich 1000 Aufrufe hatte, obwohl wir viel weniger Hörer haben.

michaela_w:

Beim Freischnauze Podcast10 nutzen wir es und wenn ich mir die Aufrufzahlen unserer Folgen auf YouTube anschaue, scheint es sich auch zu lohnen. Klar, es sind jetzt keine rieisigen Aufrufzahlen, aber es sind Hörerinnen, die man so auf den eigenen Kanal aufmerksam machen kann.

rstockm:

Das geht sehr in die erwartete Richtung: Youtube als relevante Suchmaschine. Audio kann man (noch) nicht suchen, also hängt der Impact von Youtube einzig uns allein von den Metadaten ab. Eine Strategie könnte etwa sein, die kompletten Shownotes mit in das Beschreibungsfeld zu packen.

Enrico:

Wenn ihr youtube mit wenig Aufwand zusätzlich als weiteren Kanal bedienen könnt, dann macht das. Ich höre selten Podcasts auf youtube aber wenn alle anderen Geräte grad nicht erreichbar sind und die Website des Pods offline ist oder so… -> Youtube ist tatsächlich hin und wieder in meinen Fokus gekommen. Wie schon von anderen erwähnt ist youtube die zweit große Suchmaschine neben yahoo….äh…google wink Ich würde es am Aufwand bemessen der zu leisten ist. Wenn der halt gegen einen Zeitfaktor geht den man nicht leisten kann und will, dann macht man es halt nicht. Aber man muss auch bedenken das neben Radio auch ne Menge Musik und andere Tonmaterial auf Youtube rumschwirrt. Einige Leute die ich kenne und ich selbst haben bei Youtube in den Anfangstagen ganze DJ Sets (als Podcast) hochgeladen und dort Partybilder eingefügt. quick and cheap Und auch heute fliegt enorm viel Audiomaterial bei Youtube rum.

Fazit für mich: Den eigenen Podcast auf Youtube zu veröffentlichen kann ein netter Bonus sein und wenn man Glück hat, dann finden sich darüber ein paar neue Hörer, die noch nicht zu den klassischen Podcasthörern gehören.

Viel Mehraufwand entsteht für mich als Podcaster nicht, da ich bereits Auphonic nutze und dort jede neue Folge automatisch auf Youtube hochladen lassen kann.

Problematischer wird es, wenn man sich dafür entscheidet Youtube zu nutzen, nachdem der Podcast schon lange existiert und man schon viele Folgen produziert hat. Um eine Podcast Episode bei Youtube hochzuladen, muss es eine Videodatei sein. Viele Anleitungen raten dazu jede einzelne Episode in iMovie mit einem statischen Bild als Video zu exportieren und dann hochzuladen. Das ist bei mehr als 70 Episoden absolut nicht machbar. Selbst wenn man das nach tagelanger Arbeit geschafft hat, sind noch keine Shownotes in den Videobschreibungen.

Eine erste Alternative an die ich gedacht habe, war ffmpeg. Damit lassen sich zumindest die Videos aus den Audiodateien generieren.

Doch was nun? Jede einzelne Datei bei Youtube hochladen und manuell Shownotes hinzufügen? Immer noch extrem viel Arbeit und bei langsamer Internetleitung eine ewige Warterei.

Alles neu - Ein Skript das alles erledigt

Ich habe mich dann entschlossen, das Problem selbst zu lösen und ein kleines Tool zu bauen. Die Idee:

  • Das Programm lädt sich den RSS-Feed des Podcasts. Darin sind alle nötigen Daten vorhanden.
  • Für jede Folge lädt es die Audiodatei und das Coverart herunter. Daraus wird mit ffmpeg eine Videodatei generiert.
  • Per OAuth2 bekommt das Programm Zugriff auf den Youtube Account und lädt die generierten Videos inklusive aller Metadaten aus dem Feed hoch.

Das Skript findet ihr auf Github. Ihr braucht dafür:

  • Keine Angst vor der Kommandozeile
  • Ruby
  • ffmpeg
  • Wenn es schnell gehen soll eine dicke Leitung für den Upload und eine dicke CPU für das Videoencoding (Im Idealfall direkt auf einem Root-Server der im Netz steht)

Das Skript ist noch Alpha und in zwei Tagen zusammengezimmert. Es hat sicher noch Fehler und wird nicht mit jedem Feed klarkommen (Podlove Feeds haben es einfacher). Aber im Idealfall könnt ihr euch damit jetzt schon sehr viel Arbeit ersparen, wenn ihr einen bestehenden Podcast auf Youtube veröffentlichen wollt:

  • Skript starten
  • RSS-Feed URL angeben
  • Youtube Authentifizierung machen
  • Warten, Fertig

Fragen gerne per Mail, Bugs etc. auf Github.