Funkenstrahlen Podcasting, Netzpolitik, App-Entwicklung

Ich weiß ja nicht, was ihr daran so toll findet...

Ich war total gespannt. Endlich würde ich auch Teil dieser unendlich wachsenden Bewegung werden. Endlich auch alle Informationen erhalten, die in diesem hermetisch abgeschotteten Raum fließen. Teilhaben an wunderbaren Aktionen, mich mit Menschen in aller Welt austauschen. Ihr habt es noch nicht erraten? Ich wollte endlich auch einen Facebook Account haben! Eintreten in das, was viele für das Internet halten.

Aber warum sollte ich darüber schreiben? Fast jeder hat einen Facebook Account. Die meisten wohl schon länger als ich. Ich kann da wohl kaum neue Erkenntnisse liefern. Nun es hat einen anderen Grund: Ich bin komplett enttäuscht über das was ich vorgefunden habe, als ich es endlich über micht brachte einen Account anzulegen.

Ich muss vielleicht zunächst erklären, dass ich den Plan hatte alle Informationen die ich über Twitter poste direkt nach Facebook weiterzuleiten - so würde ich endlich auch all die Menschen erreichen können, die nicht auf Twitter aktiv sind (und davon gibt es eine ganze Menge - leider).

Nun da melde ich mich also an und lande auf meiner Startseite. Ich soll Freunde hinzufügen. Na gut. Wie kann ich die finden? Ach ja, die Suche. Ich suche also. Und suche. Was ich finde? Hunderte Leute mit dem gleichen Namen. Ich klicke also die Profile an, warte ewig bis deren Profil geladen ist, sehe nichts (Privatsphäre und so - klar) und versuche auf die Suchseite zurückzukehren. Natürlich lande ich wieder am Anfang der Suchliste. Schon klar - merken wo ich war soll ich ja gefälligst selbst. Na gut, ein bisschen Gedächstnistraining kann nicht schaden denke ich mir und entdecke tatsächlich nach und nach einige bekannte Gesichter. Ich sammle also die ersten Freunde. Nach einiger Zeit werden die Vorschläge die mir Facebook macht, wen ich denn gerne als Freund haben möchte besser. Sogar Lehrer meiner alten Schule sind dabei. Wunderbar.

Zeit für die Privatsphäre. Ich bin irritiert. Das Menü mit dem scheinbar nicht enden wollenden Einstellungen kann ich beim besten Willen nicht finden. Ich mache also Einstellungen da wo ich sie finden kann und verberge mich in einer Nebelwolke aus nicht öffentlich einsehbaren Informationen. Einige Einstellungen verstehe ich bis heute nicht. Vermutlich reichen 21 Jahre deutsche Muttersprache nicht, um die Beschreibungen dieser Einstellungen zu verstehen. Dann eben irgendwann anders.

Bald finde ich aber auch Menschen, deren Nachrichten ich gerne lesen würde, aber eine Freundschaft will ich mit ihnen nicht gerade eingehen. Darunter fallen zum einen ehemalige Lehrer oder Organisationen wie Netzpolitik.org. Ich habe von der “Folgen” Funktion gehört, die nachahmt was Twitter tut. Ich kann so alle öffentlichen Nachrichten der Person lesen, wenn ich das möchte. Derjenige dem ich nun folge, muss sich aber nicht antun, was ich so von mir gebe - ein ziemlich sinnvolles Modell wie ich finde. Wie man das auf Facebook aktiviert weiß ich nicht. Den Button dafür habe ich nicht entdeckt. Vielleicht sollte ich dafür erst meine Deutschkenntnisse auf 30 Jahre ausbauen. Wer weiß…

Ich versuche nun also meine Nachrichten von Twitter nach Facebook zu bekommen - das war ja schließlich der ursprüngliche Plan. Dafür braucht man wohl so eine Facebook-App. Die offizielle Variante, die sogar direkt im Twitter-Interface eingebaut ist, funktioniert genau für zwei Stunden. Danach tut sich nichts mehr. Super. Ich steige also auf eine andere App um. Jedem Tweet muss ich nun also #fb anhängen, wenn er auf Facebook auftauchen soll. Das funktioniert zwar ganz gut, allerdings tauchen die Nachrichten nur auf meiner Pinnwand und nicht in “Neuigkeiten” auf. Wie das für meine Freunde ausschaut weiß ich nicht. Es ist jedenfalls ein Grauß.

Ich habe beinahe schon keine Lust mehr. Aber halt! Ich wollte der Sache ja eine Chance geben. Nun dann geben wir Facebook eine Woche Zeit. Was in der Woche passiert ist? Nichts. Jemand hat sein Profilbild geändert, jemand anderes ist auf einem Foto zu sehen und der dritte mag gerne Krokodile. \o/

Irgendwann entdecke ich, dass manche meiner Freunde die tolle neue Timeline haben. Ich habe die nicht. Warum habe ich die nicht? Achso ich bin ja auf Facebook. Nun ich muss also zu Google(!) um herauszufinden, wie ich die neue Timeline haben kann. Aha es gibt da so eine Seite, da gibt es wohl einen großen gelben Button zum Aktivieren. Ich sehe die Seite - den Button nicht. Hmpf.

Nun ich habe der Sache eine Chance gegeben. Es ist schlimmer gekommen. Zumindest weiß ich nun endlich Twitter zu schätzen. Ich habe gelernt, dass Facebook für die meisten Menschen ein reiner Forenersatz, Bilderalbum und Chatersatz ist. Alles was ich eigentlich über andere Wege viel besser bekommen kann.

Ich bleibe also dabei - irgendwie kann ich mit diesem Multimilliardengiganten nichts anfangen. Facebook kann sterben.

Foto oben: cc-by-nc 2.5 xkcd