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Was ist denn eigentlich richtig?

Ich habe mal ein bisschen über Demokratie nachgedacht. Im Allgemeinen und überhaupt. Vor allem darüber was es bedeutet eine moralisch richtige Entscheidung zu treffen. Nur mal angenommen, wir setzen alle Menschen dieser Welt zusammen und machen mal dieses Spiel mit der direkten Demokratie. Dann trifft dieses Gremium eine Entscheidung. Nimmt man hier krasse Beispiele zur Hand wird das Gedankenexperiment interessant. Angenommen es soll darüber abgestimmt werden, dass einer dieser Menschen getötet werden soll. Und mal pessimistisch gesehen, nehmen wir mal an, die Versammlung spricht sich für den Tod dieses Menschen aus. Ist diese Entscheidung dann moralisch richtig oder falsch? Ist diese Entscheidung für die Gesellschaft richtig oder falsch? Ich sage: Es gibt hier kein richtig oder falsch, weil die Moral der Gesellschaft, nach der diese Entscheidung beurteilt werden kann, sich exakt durch diese Abstimmung äußert und so erst definiert. Die Abstimmung als moralisch falsch zu betrachten, würde ja zu Grunde legen, dass man nach einer anderen, dann aber nicht mehrheitlich anerkannten Moral urteilt.

Nun frage ich mich: Nach dieser Erkenntnis kann es faktisch keine moralisch falschen Entscheidungen einer Gesellschaft geben. Also kann auch eine direkte Demokratie nicht an falschen Entscheidungen scheitern.

Natürlich kann man zeitlich gesehen beurteilen (aus der Vergangenheit schließen oder in der Zukunft die Vergangenheit beurteilen) ob eine Entscheidung richtig oder falsch war. Eine spätere Beurteilung nutzt aber im dem Moment nichts, in dem die Entscheidung gefällt werden muss. Auch aus der Vergangenheit lernen, würde heißen, dass wenn das Volk gelernt hat, es dann die richtige Entscheidung trifft sobald es darauf ankommt. Ich sehe also keine Moral, die über allem steht. Denn Moral basiert auf Anerkennung und darauf, dass man die Moral auch lebt. Deshalb definiert sich eine Moral (worauf ja auch Menschenrechte und das Grundgesetz aufbauen) nicht auf einer einmaligen Abnickung eines Papiers, sondern aus dem stetigen Wandel der Gesellschaft und aus den Werten nach denen wir leben. Jede Entscheidung, jedes Handeln, jede Abstimmung einer direkten Demokratie sind damit eine Momentaufnahme der moralischen Grundsätzen der Gesellschaft. Solange eine Mehrheit also eine gewisse Entscheidung trifft, kann diese Entscheidung gar nicht moralisch falsch sein, weil es keine übergeordnete Instanz gibt, die darüber urteilen könnte. Es gibt nur das Volk und das hat sich soeben so entschlossen, was automatisch die Moral vorgibt.

Ich hoffe es ist irgendwie klar geworden, was ich meine. Ich möchte hier nicht über die Vor- und Nachteile der direkten Demokratie reden. Es geht mir viel mehr um die rein intellektuelle Diskussion über Richtig und Falsch und was diese Erkenntnisse für eine Demokratie eigentlich bedeuten.

Würde mich interessieren, was ihr dazu meint. Also ab in die Kommentare!