Funkenstrahlen Podcasting, Netzpolitik, App-Entwicklung

Solange wir noch Geheimnisse haben...

Soziale Netzwerke dringen immer weiter in unseren Alltag vor. Besser formuliert: Unser Alltag verschiebt sich mehr und mehr in Richtung Kommunikation über das Internet. Dass das sehr viele praktische wie auch gesellschaftliche Vorteile mit sich bringt haben wir in den vergangenen Jahren und Monaten immer wieder deutlich zu sehen bekommen.

Ich habe aber mittlerweile das Gefühl, dass wir uns zu schnell in eine Richtung bewegen, als das wir noch viel Zeit dafür aufwenden können über diese Entwicklungen nachzudenken. Zu toll und atemberaubend sind die neuen Funktionen, zu praktisch die schnelle Kommunikation. Wir werden geradezu überrollt.

All diese Dinge führen wir dazu, dass wir immer mehr Geheimnisse über uns selbst den technischen Systemen anvertrauen, deren Betrieb wir selbst nicht in der Hand haben (Google und Facebook sind hier die prominentesten Vertreter). Meistens geben wir sogar Dinge von uns preis, wenn wir gar nicht damit rechnen: Google kann bereits Infektionswellen einer Krankheit messen - nur anhand der Suchanfragen hunderter Millionen Nutzer.

Ich hoffe, dass wir nicht eines Tages zurückblicken und feststellen, dass wir voreinander keine Geheimnisse mehr haben können, weil das ganze Leben akribisch digital archiviert ist. Unveränderbar. Unfehlbar. Unlöschbar.

Ich möchte damit nicht sagen, dass wir unser Leben mit Lügen verbringen sollen: Nein! Mir geht es vielmehr darum, dass es Dinge gibt über die ich nur mit Menschen sprechen möchte, denen ich sehr nahe stehe - und denen ich vertraue. Ihr nicht auch?

Ich habe hier bewusst auf die Phrase: “Ich habe etwas zu verbergen” verzichtet, da das immer gleich mit einem Gefühl der Anklage verbunden ist. Man versucht sich sofort zu verteidigen, da man ja sonst als verdächtig gelten könnte.

Doch wir alle haben Geheimnisse. Und das ist gut so. Solange wir sie nicht schon längst aus der Hand gegeben haben…