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Deutschland zählt seine Schäfchen

Ja es ist mal wieder Zeit: Nach langer Zeit wird es in Deutschland wieder eine Volkszählung geben. Vielleicht könnt ihr euch nicht an die Letzte erinnern? Das mag daran liegen, dass das weit zurück liegt. Das war 1987, also noch vor der Wiedervereinigung. In den Jahren zuvor und auch 1987 gab es massive Proteste gegen die Volkszählung. Vielleicht hat man es aus dieser Erfahrung heraus lange nicht mehr gewagt einen erneuten Anlauf zu wagen.

Komisch, mag der ein oder andere vielleicht denken. Was sollte man dagegen haben, wenn gezählt wird wie viele Menschen in Deutschland leben? Nun Volkszählung hört sich vielleicht so an als ob nur die Anzahl der in Deutschland lebenden Menschen erfasst werden soll, doch es geht um weit mehr als das: Einkommen, Steuern, Arbeitsverhältnis, Versicherungen, … Diese Liste lässt sich lange fortsetzen.

Die Neuerung bei der Volkszählung 2011: Der Staat hat den größten Teil dieser Daten längst - verteilt in den vielen hundert Datenbanken der Ämter mit denen wir es tagtäglich zu tun haben. Das macht die Sache also einfach: Man nehme alle diese Daten und schreibe sie in eine große allwissende Datenbank, aus der dann alle interessanten Statistiken generiert werden können.

Warum wir das brauchen? Eigentlich werden zu diesem Zweck passend zur Thematik Untersuchungen angestellt, die dann den entsprechenden Effekt statistisch in der Bevölkerung untersuchen. Es ist dennoch allzu verlockend eine umfassende Datenbank zu haben aus der diverse Datensätze extrahiert werden können. Natürlich werden die Daten laut Bund anonymisiert gespeichert. Da muss ich mich allerdings fragen wie viele Menschen in Deutschland es gibt, auf die genau dieselben Merkmale zutreffen wie auf mich. Eine Deanonymisierung der Daten sollte damit ohne weiteres möglich sein. Es gibt also keinen triftigen Grund eine solche Datensammlung anzulegen.

Dass Datensammlung nicht sicher vor unbefugtem Zugriff sind, ist im Fall des PSN sehr schön zu beobachten. Immer wieder gelangen Daten nach außen, die in angeblich sicheren Datenbanken abgelegt sind. Daher ist die Tatsache, dass die Datenbanken der Ämter momentan noch auf getrennten Systemen liegen ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsfaktor.

Was man dagegen tun kann? Zunächst einmal sollte man sich informieren. Denn bald kann es auch euch passieren, dass ihr netten Besuch von einem Volkszähler bekommt. Das sind Menschen, die sich freiwillig gemeldet haben andere Bundesbürger zu befragen. In diesem Zusammenhang ist vor kurzem das Schulungsheft für die Volkszähler an die Öffentlichkeit gelangt.

Eine gute Zusammenfassung aller Informationen zur Volkszählung bietet die Seite des AK-Vorrat und ein Interview mit Michael Ebeling vom AK-Zensus.

Update: Dass die Daten anonymisiert gespeichert werden trifft den Sachverhalt nicht ganz. Zunächst werden die Daten personalisiert zusammengetragen (das ist das Zusammenführen der Datenbanken, was schon letzten November gemacht wurde). Sinn der Sache ist, dass die Stichproben, die durch Befragung durchgeführt werden, der Verifikation der Daten dienen. Danach werden die Daten wohl anonymisiert. Ob jedoch sichergestellt werden kann, dass jemand an den deanonymisierten Datensatz kommt?