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I like! Flattr

Vor wenigen Monaten bot ein neuer Dienst im Netz zum ersten Mal die Möglichkeit sehr einfach Spenden an interessante Seiten zu verteilen: Flattr. Nun denkt man wahrscheinlich zuerst: Stopp! Das hatten wir doch schon! PayPal bietet schon seit langer Zeit die Möglichkeit Geldtransfers im Netz komfortabel und unkompliziert abzuwickeln. Das hat dazu geführt, dass viele Seiten nun einen Donate-Button führen, der es Menschen ermöglicht für das Softwareprojekt, die Organisation oder den Blogger zu spenden, um seine Arbeit zu würdigen.

Doch was erwartet uns wenn wir auf den Button drücken? „Geben Sie den gewünschten Betrag an.“ blinkt es da munter. Und nun? Ist mir der Beitrag 5 Euro wert? Aber ist das nicht zu wenig? Dann doch lieber nicht.

Schade für das Projekt. Sicherlich scheitern sehr viele Menschen genau an dieser Hürde. Facebook hat gezeigt wie es geht: Die like-Buttons finden sich auf tausenden Internetseiten und sie werden millionenfach geklickt. Warum? Es erfordert kein weiteres Nachdenken. Der Klick geht schnell von der Hand, die Seite gefällt. Das Ganze ist einfach und unkompliziert.

Genau an diesem Punkt kommt Flattr ins Spiel. Flattr bietet die Möglichkeit mit der Einfachheit des like-Buttons eine kleine Spende zu verbinden. Aber wie viel denn nun? Diese Frage stellt sich glücklicherweise durch das Konzept von Flattr nicht.

Wenn man sich bei Flattr anmeldet legt man schon von vorneherein fest, wie viel Geld man in diesem Monat an Spenden verteilen möchte. Das können zwei Euro oder auch zwanzig sein. Doch damit ist die Obergrenze festgelegt. Nun kann man einen ganzen Monat lang munter auf Flattr-Buttons herumklicken, die genauso wie like-Buttons auf diversen Webseiten verteilt werden. Für jeden Klick wird das eigene festgelegte Guthaben aufgeteilt. So wie ein Kuchen in Stücke zerlegt wird. Am Ende des Monats wird das Monatsbudget auf die Anzahl der Klicks aufgeteilt und jede Webseite, die einen Klick erhalten hat, bekommt dann den entsprechenden Anteil gutgeschrieben.

Was daran genial ist? Man macht sich keine Gedanken mehr über die Höhe der Spende und konzentriert sich damit mehr auf den eigenen guten Willen an sich. Ich möchte etwas geben – also klicke ich.

Diese Vorgehensweise könnte zu einer ganz neuen Kultur der Unterstützung von Projekten werden. Es gibt bereits viele Beispiele im Netz, die auf diese Art finanziert werden. Ist das vielleicht sogar eine Alternative zum Verlagsmodell? Könnten so Leistungen im Journalismus, in der Musik oder auch in anderen Gebieten direkt gewürdigt werden ohne dass ein Mittelsmann eingeschaltet werden muss, der dann die meisten Einnahmen kassiert?

Ich bin mir sicher, dass diese Idee Zukunft hat. Vielleicht ist es nicht Flattr als Firma, die dieses Konzept in die weite Welt bringt. Doch es wird sich verbreiten und ausweiten. Es ist die persönliche Beziehung, die man mit einer Person im Netz aufbaut. Es ist diese Bindung, die dazu ermuntert diesen Menschen zu unterstützen und ihm für seine Arbeit zu danken. Wie das geschieht ist vielfältig. Dennoch bietet Flattr momentan definitiv die attraktivste Art das zu tun.

Update: Philip Banse hat ein tolles Interview mit dem Flattr-Gründer Peter Sunde geführt, das sehr gut zu diesem Thema hier passt: